Veranstalltungen ab 2020

März 2020

Ji-Su Kang-Gatto
"A DAUGHTER'S TABLE"

Eröffnung: Do., 19.03.2020, 19 bis 21 Uhr
Ausstellung: 20.-29.03.2020, Di.-Sa. 17 bis 19 Uhr & So. 15 bis 18 Uhr

‚Identities and Recepies‘ ist eine YouTube-Serie, die aus 24 in monatlicher Folge veröffentlichten Kurzvideos besteht. Jedes von ihnen ist einem typisch koreanischen Gericht gewidmet. Wie die gleichlautenden, seriellen Titel ‚How to make/cook...‘ verraten, lehnen sie sich vom kulinarischen Inhalt und der auf einzelne Arbeitsschritte zugeschnittenen Form her an gängige Web-Koch-Tutorials an. Einzelne Beispiele aus dieser Serie werden zusätzlich zur Online-Distribution in Ausstellungen auf einem Tablet gezeigt, das ein eigenes skulpturales Gewicht enthält. Denn Ji Su Kang-Gatto fertigt für die Tablets spezielle Silikonhüllen an, die spezifisch für das jeweilige Video sind und in engem Verhältnis zu dessen Inhalt stehen. Generell schon lässt sich die Textur der Silikonhülle mit der Konsistenz und Farbigkeit mancher Zutaten und Lebensmittel vergleichen. Zudem mischt die Künstlerin kleine skulpturale und figürliche Elemente in ihre Koch-Clips. Wie bei Kochvideos üblich wählt auch Ji Su Kang-Gatto neben Rückenansichten oft enge Bildausschnitte, die auf die einzelnen Handgriffe der Zubereitung fokussieren und die Arbeit des Kochens mitunter meditativ zelebrieren, wie man es schon klischeehaft von asiatischer Kochkunst erwartet. Zugleich tritt die Künstlerin als Kochende auf, setzt sich selbst und ihren Körper in Szene.

Während frühe Videokünstlerinnen Kochen und Haushalt als Inbegriff unentlohnter Reproduktionsarbeit thematisierten, macht sich Ji Su Kang-Gatto sowohl die YouTube-Kultur als auch die koreanische Küche zunutze, um ihre eigene Identität und kulturelle Verwurzelung zu reflektieren. Doch scheinen dabei immer wieder Analogien zwischen dem dekorativen Essen und dem schön dargebotenen weiblichen Körper auf, die sexistische Implikationen sowohl in Szene setzen als auch offen legen.

Ji Su Kang-Gatto, geb. 1989 in Seoul, Studium an der Kunstakademie Düsseldorf und der Kunsthochschule für Medien Köln, lebt und arbeitet in Düsseldorf.

– Ein Text von Jingyun Gong über die Arbeiten von Ji Su Kang-Gatto.

 

Juni 2020

Fivos Theodosakis
aber alles blieb unverändert, ...
19.06. bis 02.07.2020 | samstags und sonntags 15-18 Uhr O. N. V.

In der Installation „aber alles blieb unverändert, …“ greift Fivos Theodosakis den gesamtgesellschaftlichen Diskurs zu Grenzziehungen auf. Mit seiner begehbaren Installation entwirft er einen Raum im Raum, der nicht nur die Grenzen geschlossener Architektur sprengt, sondern sich auch an der Schwelle zwischen Bühnenbild und Bildkunst bewegt. Die Arbeit von Fivos Theodosakis scheint ein zunächst befremdlich wirkendes Eigenleben zu führen. Durch optische, akustische und haptische Reize, spricht die Arbeit den Sinnesapparat der Besucher*innen direkt an, wodurch sie gleichsam unmittelbar in das Kunstwerk einbezogen werden.

kuratiert von
Alexander Pütz & Angela Theisen

Juli 2020

Eröffnungskonzert: Donnerstag, 09. Juli 2020, 18:00 – 21:00
Installation: Freitag, 10. bis Sonntag 12. Juli 2020, 15:00 – 19:00

1 + 1 = 3 : Ab sechs Uhr trinken wir Bier, aber wir haben keins. (J. Cage)
Eine unberechenbare, prozesshafte, polymorphe Bilder- und Klangperformance

von Gudrun Barenbrock (Video) und Peter Behrendsen (Audio)

 

Juli / August 2020

Sissy Schneider

September 2020

Eliza Ballesteros
DOMESTIC HECK

Soft Opening: Do., 03.09.2020, 18 – 22 Uhr
Installation: 04.09.–14.09.2020

Eliza Ballesteros (*1988 in Hannover, lebt und arbeitet im Rheinland) beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit der Materialität und Figuration von Objekten und deren Relation zum Raum. Sie versteht Objekte als Träger von gesellschaftlichen und politischen Strukturen. Durch das Bearbeiten und 'Neuformulieren' von bekannt erscheinenden Gegenständen in Form, Maßstab und Oberfläche, macht Eliza Ballesteros gesellschaftliche Dispositive sichtbar.
Die Objekte der Installation DOMESTIC HECK sind Ergebnisse einer andauernden Recherche über die Jagd als kulturelle Praktik und die Jagdstube als tradiertem Ort. Eliza Ballesteros verhandelt damit Fragen nach Tradition und Heimat, nach zugeschriebenen Geschlechterrollen und Archaik sowie der Domestizierung von Natur.

kuratiert von Alexander Pütz

Oktober 2020

digging. connecting. becoming.
setzt sich mit Paradigmenwechsel, Transformations- und Heilungsprozessen in kollektiven, öffentlichen und privaten Räumen auseinander.
diggig.connecting.becoming ist ein temporäres Lab, ein kooperatives Projekt, ein Experiment, dass zum Fragen stellen und Dialog einlädt.

Ein Projekt von
Parisa Karimi

Installation:

05.10. bis 11.10.2020

Montag bis Samstag 16.00 bis 18.00 Uhr

Foto: Selma Lampart

Oktober - November 2020

Paulina Hoffmann
entäußerung
Soft Opening Donnerstag 29.10.2020, 18.00-21.00 Uhr
bis 08.11.2020

In ihrer Installation "entäußerung" setzt sich Paulina Hoffmann (*1994, lebt und arbeitet in Düsseldorf) mit der Materialität und Formgebung von industriell hergestellten Waren und funktionalen Halbfertigprodukten auseinander. Momente des Materiellen und Immateriellen sind in unserer Gegenwart untrennbar miteinander verwoben. Demnach ist Material nicht nur Träger von Formen und Ideen, sondern verdeutlicht darüber hinaus kulturelle Bedeutung sowie semantische und historische Relevanz.

 

Januar 2021

 

Lieba Jappe (1934-2021)

Aus Deutschland erreichte uns die Nachricht, dass „Lieba“ Jappe am 22.Januar 2021 von uns gegangen ist. Unvergessen ist, wie sie sich 1977 für die AICA als Haupt-Organisatorin des XII.Kongresses und der 29.Assemblée generale in Köln eingesetzt hatte, wobei das Hauptthema der Kunst der sechziger Jahre gewidmet war. Den rund 150 Teilnehmern zeigte sie sich damals als geduldige, bescheidende, besonders weitherzige und sehr kompetente Gastgeberin. Mitglied der AICA wurde sie jedoch erst 1988, als sie schon längst Artikel über zeitgenössische Kunst veröffentlicht hatte. Ihr eigentliches Thema aber galt der Performance-Kunst. Es passte zu ihrer Ausbildung, denn obwohl sie 1934 als Hermine Cornelia Elisabeth Kluytenaar in Frankreich geboren wurde, studierte sie als Niederländerin zwar erst in Paris, dann aber in Amsterdam Kunstgeschichte, Bühnenbild und Kostümkunde. Da sie 1961 den Theaterhistoriker, Kunstkritiker, späteren Professor für Ästhetik und Dichter für optische und akustische Poesie Georg Jappe heiratete (mit dem sie zwei Kinder grosszog), lag es nahe, die Themen bildende Kunst und Theater zu verbinden, - voilà: die Einheit beider Kategorien lag in der Performance-Kunst. Als Kuratorin, Projekte-Macherin, Programm-Gestalterin, Übersetzerin und auch Autorin erwarb sie bald für diese neue Sparte der Kultur internationale Anerkennung. Von 1975 an gelang es ihr, Performances als eigenes Programm auf internationalen Kunstmärkten und Theaterfestivals unterzubringen, anfangs beispielsweise 1978 in Bremen. Das war nicht selbstverständlich, bald aber konnte sie zunehmend mit der Neugierde eines grösseren Publikums rechnen. Das ermutigte sie 1981 zur Gründung der Moltkerei Werkstatt in Köln, einem Avantgarde Zentrum für vornehmlich Performances und Workshops für internationale Künstler, das sie zunächst selbst leitete und das noch heute von Christian Merscheid weitergeführt wird. Beide veröffentlichten über ihre dortigen Aktivitäten, zu denen nach dem Fall der Mauer nun auch Auftritte junger ostdeutscher Künstler zählten, 1994/95 eine Publikation. Gemeinsam mit Georg Jappe kuratierte sie die rundreisende Ausstellung Resource Kunst (Berlin, Saarbrücken, München, Budapest), zu der beide 1989 im DuMont-Verlag in Köln ein Buch herausbrachten. Zuvor hatte Lieba für die documenta 8 (1987) endgültig das internationale Publikum mit der Kategorie performance-art vertraut gemacht. Diese Arbeit kulminierte in der eigenen Buchausgabe Performance – Ritual – Prozess, Handbuch der Aktionskunst in Europa (München 1993.) Es wurde ein Standartwerk, -was wäre die Performance-Art ohne Lieba Jappe gewesen! Nach dem Tod von Georg Jappe zog sie sich von ihren vielen Vortragsaktivitäten zurück. Das umfangreiche Archiv des Ehepaares Jappe erhielt –sofern es performance Art betrifft - zunächst das von Egidio Marzona geleitete Archiv der Avantgarden, das dann aber 2016 als Ganzes den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gestiftet wurde.

(Antje von Graevenitz, AICA-Mitglied in Amsterdam)

 

Juli 2021

Jana Buch & Linus Ebner
drittens: dennoch ist man …
 
Eröffnung: Samstag, 24. Juli, 17 bis 21 Uhr
24. Juli bis 1. August 2021
 
Im Vordergrund von „drittens: dennoch ist man …“ der Künstler*innen Jana Buch & Linus Ebner steht das Aufeinandertreffen hermeneutisch konstituierter Weltbilder und die Frage, in wie weit Kommunikation dazu beitragen kann diese aufzubrechen. Sucht (westliche) Kommunikation letztendlich vor allem Selbstvergewisserung? Der experimentelle Aufbau aus Video, Lyrik und Malerei findet seine vollständige Verlebendigung in der Begegnung. Die einzelnen Elemente werden ihren eigentümlichen Attributen enthoben und verwandeln sich in etwas Drittes. „drittens: dennoch ist man ...“ ist der Versuch die verhängnisvollen Denkblasen aufzustechen und unsere Kommunikationsschleifen in andere Bahnen zu lenken. Dies erfordert eine multiperspektivische, disruptive Herangehensweise, denn bei hermetisch linearen Erzählmustern verharrt man allzu oft entweder in der unerschütterlichen Gegenposition oder aber in der Position des Echos, dazu verdammt, lediglich antworten zu können, was entgegengerufen wird. Die Rauminstallation mit all ihren Einzelteilen erzählt von der Auflösung der Eindeutigkeit.
 
kuratiert von Angela Theisen & Alexander Pütz

 

 

September - Oktober 2021

Theresa Weber
Cosmic Momento
 
Eröffnung: Donnerstag, 2. September, 18 bis 21 Uhr

3. September bis 17. Oktober 2021

Mit „Cosmic Momento“ entwirft Theresa Weber eine raumgreifende Installation, in der sie aktuelle gesellschaftliche Diskurse mit ihrer Biografie verknüpft, die anhand von Konzepten der Chaostheorie und des kollektiven Gedächtnisses zugänglich gemacht werden. Eine zentrale Rolle in ihren Arbeiten spielen Polyesterharzplatten. In diese Platten gießt die Künstlerin mehrfach kodierte Artefakte, Erinnerungsstücke, die ein Geflecht von Assoziationen hervorrufen. Sie werden zu topografisch anmutendem Archivgut, das Geschichten erzählt – von Intersektionalität, Feminismus, Gender und kultureller Hybridisierung.
Damit stellt Theresa Weber Verbindungen zwischen vergangenen Kulturen und gegenwärtigen gesellschaftlichen Strukturen her. In diesem Zusammenhang möchte sie eine pluralistische Position innerhalb des Betriebssystems Kunst demonstrieren. Weber entwirft ein komplexes Verweissystem aus Collagen, Symbolen und Motiven, die Betrachter*innen mit eindeutigen Referenzen gleichermaßen wie mit offenen Assoziationsräumen in Dialog treten lassen. Hinweise auf Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Geschichte und Popkultur sind bestimmend für die Arbeiten. Sie überlagern, verbinden, verschmelzen und hinterfragen die fixierte Identität.

kuratiert von Angela Theisen & Alexander Pütz

 

 

November - Dezember 2021

Fynn Ribbeck
"Lesson of the Airplane"

Eröffnung, 12. November 2021, 18 bis 21 Uhr
13. November bis 12. Dezember


Lesson of the Airplane, die Einzelausstellung von Fynn Ribbeck, zeigt als zentrale Arbeit einen in 3D animierten Film. Zusätzlich sind aus Textil gefertigte Plastiken zu sehen. Der Spagat zwischen der Nutzung von virtuellen und materiellen künstlerischen Techniken ermöglicht die zunehmende Überwindung überkommener Werk- und Genrebegriffe.
Im Mittelpunkt der Bild- und Erzählwelt der Videoarbeit steht ein fiktiver Traum von Ulrike Meinhof. Darin visualisiert sich das Innenleben einer Person, deren politisch motivierte Rolle bekannt ist. Gleichzeitig ist der Zugang zu ihrem Innenleben versperrt. Ribbeck verschmilzt damit öffentliche und private Sphären, die er im gleichen Augenblick als einander kontrastierend gegenüberstellt, womit er Meinhof als politische Figur auflöst. Als Beispiel dafür mögen die gezeigten Privatwohnungen dienen, ebenso wie die übersteigert dargestellten Machtarchitekturen.
Darüber hinaus ermöglicht die 3D-Animation die flexible Gestaltung von Körperoberflächen und hinterfragt damit gleichzeitig Formen von Räumlichkeit und persönlicher Erfahrungswelt. Vor diesem Hintergrund und nicht zuletzt um die Wechselwirkungen dieser Prozesse sichtbar zu machen, materialisieren sich virtuell anmutende Figuren mit ihren pixelhaft-geometrisierenden Oberflächenbeschaffenheiten als Plastiken im Ausstellungsraum. Geformt und aus genähtem Kunststoff gefertigt, werden die an Avatare erinnernden Figuren in die fassbare Erfahrungswelt der Besucher:innen transformiert.
Mit Lesson of the Airplane schafft Ribbeck eine Erzählung, ausgehend von einem digitalen Erlebnisraum – in Form einer Traumwelt – in der die Erzählstränge ebenso auf das Innen und Außen der psychischen Verfasstheit der Protagonist:innen verweisen. Lesson of the Airplane ruft damit kritisches Bewusstsein in der Erschaffung einer alternativen Erzählung hervor.